Was die Leute so reden

Als Herr Müsstemann mit seiner Frau und Enkel Pauli in der Kurhausstraße über den Markt schlendert, bleibt er, wie so oft, bei einer der Mini-Fontänen auf dem Fußweg stehen: „Das Wasser müsste man höher einstellen, so hat das ja gar keinen Effekt!“

Am Brunnen „Großer Abwasch“ angekommen, sitzt Frau Könntedoch auf der Bank. „Hallo Leute, der Brunnen könnte doch besser gereinigt werden.“ Pauli springt auf den Brunnenrand und schaut in die dargestellten Tassen: „Guck mal, Opa, Kaffeeränder – die gibt es bei Oma aber nicht!“ Herr Sollteschon, der gerade aus der Tourist-Info kommt, sagt:“ Ich bin mal gespannt auf das Innenleben des Kurhauses. Es sollte schon mehr Platz in den Praxen sein, und es sollte schon unserem alten Glanzstück sehr ähneln.“

Da kommt Frau Wennich mit dem Fahrrad aus der Kurpromenade gerauscht, hält an und trifft auf erstaunte Gesichter. “Ja, wenn ich Ihre erstaunten Blicke sehe und wenn ich mich recht erinnere, darf ich hier fahren. Verbote – Verbote – Verbote – das ist jetzt vom Tisch!“ „Na ja,“ sagt Herr Müsstemann „auf alle Fußgänger müsste man sehr Rücksicht nehmen; die erschrecken sich, wenn man mit Tempo dicht an ihnen vorbeifährt. Und die Kinder glauben immer an die große Freiheit und rennen einem vors Rad. E-Bikes und elektrische Rollstühle sind auch sehr schnell.“ „Könnte doch passieren, dass mal ein Kind verunglückt oder Senioren, die nicht schnell genug ausweichen können“ meint Frau Könntedoch.

„Wissen Sie,“ beginnt erneut Frau Wennich, „wenn ich in der Gemeinde mit dem Rad unterwegs bin, höre ich einiges, z.B. Nenndorf wächst – bezahlbares Wohnen schaffen – Wohnraumbeschaffungsprogramm. Manche glauben, dass morgen ihre Ortsrand-Idylle zugebaut wird. In Scharen kämen dann Hannoveraner, weil in der Stadt die Mieten gestiegen sind.“

„Wenn Nenndorf wächst,“ sinniert Frau Müsstemann „dann bekämen wir bei 20.000 Einwohnern endlich eine hauptamtliche Frauenbeauftragte“. Plötzlich kommt Herr Kluge um die Ecke: „Kluge Reden kann jeder halten, immer ruhig bleiben. Ist doch sozusagen nur erst eine Flächenbestandsaufnahme. Ja, die armen Ratsleute sitzen wieder zwischen Baum und Borke, müssen demokratisch entscheiden und möglichst alle mitnehmen, wie es neudeutsch heißt. Und mancher Bürger denkt „wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass – mach andere nass!““

„Alle mitnehmen?“ tönt es aus der Klönrunde. „Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“ sagt Herr Kluge, und der muss es wissen.